Logo

  Mastozytose Initiative
 Selbsthilfenetzwerk e.V.
 
 ‚
 
Diagnose

                                                                                                              

Diagnose Kriterien der kutanen Mastozytose

1. sichtbare typische Hautveränderungen 
2. positive Hautbiopsie mit Mastzellinfiltraten; evtl. mit Nachweis einer KIT Mutation im Kodon 816

Bei Kindern entscheidet der Dermatologe, ob die Notwendigkeit einer Hautbiopsie besteht. In der Regel überprüfen die Dermatologen auch das Darierzeichen. Wird der Tryptasewert kontrolliert, so liegt er fast immer unter 20 ng/ml und befindet sich damit im Normbereich. Die Ausdehnung des Hautbefundes wird durch eine Photodokumentation festgehalten.



Diagnose Kriterien der systemischen Mastozytose
Allgemeines
Für die Diagnose einer systemischen Mastozytose werden Biopsien aus dem Knochenmark oder aus anderen extra kutanen Organen entnommen. Wobei das Knochenmark im Fall der systemischen Mastozytose in nahezu 100% der Fälle betroffen ist.

Kinder sollten unabhängig vom Alter dann eine Knochenmarksbiopsie erhalten, wenn ihr Tryptasewert > 100ng/ml ist, oder wenn Anzeichen einer systemischen Mastozytose bestehen. Bei Erwachsenen sollte immer eine Knochenmarksbiopsie vorgenommen werden, auch dann, wenn der Tryptasewert < 20ng/ml ist.

Für die Untersuchung des Knochenmarks, werden eine Knochenstanze und ein Aspirat (Blut) entnommen. Die eigentliche Diagnostik der systemischen Mastozytose erfolgt durch die Knochenstanze (siehe unten: Haupt- und Nebenkriterien). Die Entnahme des Aspirats ergibt zusätzliche Informationen.


Der Inhalt Ihres Befundes
Mastzellen sind nur schwer in den Biopsien auszumachen, um die Untersuchung der Biopsien auf Mastzellen vornehmen zu können, müssen diese darum erst einmal mit Hilfe von Färbungen dargestellt werden. Hierzu sollten Sie folgende Färbe-Methoden in Ihrem Befund wieder finden:

Giemsa- oder Toluidinblau-Färbung
Anti-Tryptase-Antikörper
Antikörper gegen CD117 und CD25

Nach wie vor wird die Giemsa- oder Toluidinblau-Färbung verwandt, doch da bei beiden Färbungen immer wieder Mastzellen übersehen werden, wird zusätzlich die Färbung mit Anti-Tryptase-Antikörpern vorgenommen. Mit Hilfe dieser Methode werden die Mastzellen anhand der Tryptase, die sie in ihrem Inneren speichern, sichtbar gemacht. Eine weitere Methode, Mastzellen sicher darzustellen, ist der Einsatz von Antikörpern gegen CD117. CD117 ist ein anderer Begriff für KIT, ein Rezeptor, der sich auf der Mastzelloberfläche befindet (Siehe: Begriffsdefinition). Das heißt, mit dieser Färbung wird KIT und damit die Mastzelle dargestellt. Sollten die Mastzellen ihre Tryptase ausgeschüttet haben, könnten sie mit Hilfe von Anti-Tryptase-Antikörpern nicht mehr dargestellt werden, wohl aber mit den Antikörpern gegen CD117 (KIT). Darüber hinaus helfen die Antikörper gegen CD117 bei der Unterscheidung zwischen Mastzellen und Basophilen, die ebenfalls zum Abwehrsystem gehören. Eine Verwechslung beider Zelltypen könnte stattfinden, da beide in ihrem Inneren Tryptase speichern. Die Darstellung von CD25 auf der Mastzelloberfläche gehört zu den Färbe-Methoden, sowie zu den Nebenkriterien der Diagnostik (Siehe unten: WHO-Richtlinien). Den Pathologen wird empfohlen, all diese Darstellungstechniken bei der Suche nach Mastzellen anzuwenden.


Bild1
Knochenmarksbiopsie, Toluidinblaufärbung,
atypische Mastzellen um ein Blutgefäß. (1)

Bild2
Ausstrich des Knochenmarkaspirats, Giemsafärbung,
Mastozytose. (2)

Bild3
Knochenmarksbiopsie, Tryptasefärbung,
großes fokales Mastellzell-Inflitrat, (unser Logo). (3)

Bild4
Knochenmarksbiopsie, CD117 (KIT) Färbung,
diffuse Mastzellinfiltration. (1)


Weiter sollte Ihr Befund folgende Kriterien (WHO-Richtlinien für Mastozytose) aufweisen:
Eine systemische Mastozytose ist dann diagnostiziert, wenn das Hauptkriterium und eines der Nebenkriterien erfüllt werden. Oder wenn stattdessen nur drei der Nebenkriterien vorhanden sind (Die Kriterien gelten sowohl für Biopsien des Knochenmarks als auch für Biopsien extra kutaner Organe.):


Hauptkriterium
Das Vorhandensein vieler dichter Mastzellinfiltrate (> 15 Mastzellen)

Nebenkriterium
1. Mehr als 25% der Mastzellen haben eine atypische Form:
    spindel- oder ovalförmig (Normalerweise sind Mastzellen rund.)
2. Auffinden der KIT Mutation im Codon 816.
3, CD2 und/oder CD25 werden auf derMastzelloberfläche dargestellt.
4. Tryptase > 20 ng/ml.


Achtung: Die Biopsien werden gerne falsch untersucht!
Nach wie vor werden die Biopsien falsch – nämlich gar nicht - auf Mastzellen untersucht. Dies erkennen Sie bereits daran, dass keine der oben genannten Färbungen angewandt wurde, mit denen die Mastzellen hätten gesehen werden können. Schnell lautet dann die fehlgeleitete Diagnose, die Biopsie würde keine Mastzellen enthalten.
Die weiteren Fehler liegen in der Regel darin, dass nicht nach den Nebenkriterien gefahndet wurde. Hier besteht ebenso die Möglichkeit, dass Sie fälschlicherweise einen negativen Befund erhalten haben.

Sollten die genannten Kriterien nicht eingehalten worden sein, dann haben Sie die Möglichkeit Ihre Biopsien beim weltweit führenden Histopathologen für Mastozytose, bei Herrn Prof. Dr. med. Hans-Peter Horny, auf Mastozytose nachuntersuchen zu lassen. Er stellt die morphologische Diagnose der Mastozytose samt ihres Subtyps und schickt die Biopsien im Anschluss zu PD Dr. med. Karl Sotlar, der die molekularbiologische Untersuchung, sprich die Mutationsanalyse, vornimmt. Mit diesem Versand haben Sie nichts zu tun, er erfolgt zwischen den beiden Ärzten.

Versandanleitung:
1. Zunächst müssen Sie sich mit der Pathologie, in der Ihre Biopsien untersucht wurden, in Verbindung setzen und den Versand der Gewebeblöcke bzw. Paraffinblöcke(!!!) (das sind Ihre Biopsien) zu Prof. Dr. med. Hans-Peter Horny veranlassen. Auf Wunsch der Labore sollte dies in der Regel schriftlich, das heißt per Brief oder Fax, erfolgen. Auf diesem Schriftstück sollten sie dem Labor die Zieladresse, sowie den Grund für den Versand (nämlich: Untersuchung auf Mastzellen) nennen.
2. Gleichzeitig sollten Sie nicht vergessen Herrn Prof. Dr. Hans-Peter Horny, möglichst per Brief, über die bevorstehende Ankunft Ihrer Gewebeblöcke zu unterrichten und überdies den Grund für Ihre gewünschte Zweitdiagnostik nennen (nämlich: Untersuchung der Biopsien auf Mastozytose gemäß den WHO-Richtlinien), damit er weiß, was mit Ihren Biopsien geschehen soll. Legen Sie diesem Brief bitte einen Überweisungsschein bei, damit die Zweit-Untersuchung abgerechnet werden kann. (Angaben auf dem Überweisungsschein: für „Pathologie“, wegen „Mastozytose“)

Prof. Dr. med Hans-Peter Horny
Institut für Pathologie
Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
Thalkirchner Straße 36
D-80337  München
GERMANY
 
e-mail: hans-peter.horny@med.uni-muenchen.de



Weitere Untersuchungen
• Blutuntersuchungen: Tryptase, Differentialblutbild, Routinelabor, Leberwerte,
   alkalische Phosphatase, LDH.
• 24 Stunden Sammelurinuntersuchungen: Histaminmetabolite, Prostaglandine.
• Patienten mit systemischer Mastozytose wird regelmäßig eine Ultraschall-
   untersuchung des Bauchraumes empfohlen. Dabei wird insbesondere
   nach einer möglichen Milz- oder Lebervergrößerung sowie nach vergrößerten
   Lymphknoten geschaut.
• Knochendichtemessung mittels DEXA, um Osteoporose auszuschließen.
   (Bei Unauffälligkeit: Wiederholung alle 1-2 Jahre)

Die folgenden Untersuchungen gehören nicht mehr zu den Routineuntersuchungen, sie werden von Ihrem Arzt je nach Beschwerden veranlasst:
• CT des Brustraumes, um dort vergrößerte Lymphknoten festzustellen.
• Röntgen des Skeletts, um Osteoporose, Osteosklerose
   oder Osteolyse auszuschließen.
• Je nach Symptomatik kann eine Magen-Darm-Spiegelung erfolgen, um eine  
   Mastzellinfiltration sowie um möglicherweise vorhandene Magen oder
   Dünndarmgeschwüre auszuschließen.
   ACHTUNG: Weisen Sie den untersuchenden Arzt darauf hin, dass in JEDEM FALL
   Biopsien entnommen werden, auch dann, wenn er keinerlei Auffälligkeiten in Ihrem  
   Magen-Darm-Trakt sieht! Denn Mastzellansammlungen können dort nicht, wie etwa an
   der Haut, gesehen werden. Stattdessen werden diese erst bei der Untersuchung durch
   den Pathologen entdeckt. Und dazu ist die Entnahme von Biopsien erforderlich!
• Biopsien der Leber erfolgen nur bei einem aggressiven Fortschreiten der Erkrankung,
   nicht dagegen bei einer indolenten systemischen Mastozytose.



Ich danke Herrn Prof. Dr. med. H-P Horny, Pathologe an der LMU München, für die Durchsicht dieses Artikels!



Literatur
Valent, P; Horny, HP; Escribano, L; Longley, BJ; Li, CY; Schwartz, LB; Marone, G; Nunez, R; Akin, C; Sotlar, K; Sperr, WR; Wolff, K; Brunning RD; Parwaresch, RM; Austen, KF; Lennert, K; Metcalfe, DD; Vardiman, JW; Bennett, JM: Diagnostic criteria and classification of mastocytosis. A consensus proposal, in: Leukemia Research. 2001 Jul; 25 (7), S. 603 – 626.

Valent, P; Akin, C; Sperr, W; Horny, HP; Arock, M; Lechner, K; Bennett, JM; Metcalfe, D: Review. Diagnosis And Treatment Of Systemic Mastocytosis. State of the Art, in: British Journal of Haematology. 2003, 122, S. 695 – 717.

Valent, P; Akin, C; Escribano, L; Födinger, M; Hartmann, K; Brockow, K; Castells, M; Sperr, WR; Kluin-Nelemans, HC; Hamdy, NA; Lortholary, O; Robyn, J; van Doormall, J; Sotlar, K; Hauswirth, AW; Arock, M; Hermine, O; Hellmann, A; Triggiani, M; Niedoszytko, M; Schwartz, LB; Orfao, A; Horny, HP; Metcalfe, DD: Standards and standardization in mastocytosis. Consensus Statements on Diagnostics, Treatment Recommendations and Response Criteria, in: Eur J Clin Invest. 2007 Jun; 37 (6), S. 435 – 53.

Bilder
(1) Diese Bilder wurden mit Erlaubnis von Elsevier copyright 2006 der folgenden Publikation entnommen: Li CY: Diagnosis of mastocytosis. Value of cytochemistry and immunohistochemistry, in: Leukemia Research 2001 Jul; 25 (7), S. 538.
(2) Dieses Bild wurden mit der Erlaubnis von Elsevier copyright 2006 der folgenden Publikation entnommen: Akin C, Scott LM, Metcalfe DD: Slowly progressive systemic mastocytosis with high mast-cell burden and no evidence of a non-mast-cell hematologic disorder. An example of a smoldering case? In: Leukemia Research 2001 Jul; 25 (7), S. 637.
(3) Dieses Bild wurde von Herrn Prof. Horny zur Verfügung gestellt!