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  Mastozytose Initiative
 Selbsthilfenetzwerk e.V.
 
 
 
Insektengiftallergie
                                                                                                        
                                                                                                              

Einleitung
Systemische Reaktionen auf Bienen-, Wespen-, Hummel- oder Hornissenstiche werden in 0,8% – 5% der Bevölkerung beobachtet. Sie verursachen etwa 10-40 Todesfälle pro Jahr in Deutschland. Wie oft eine Insektengiftallergie bei Mastozytose-Patienten vorkommt, ist unbekannt.

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Diagnose

Nach einer Stichreaktion sollten folgende Untersuchungen erfolgen:
1. Nachweis der Insektengiftallergie
2. Messung des Trytpasewertes im Blut
3. Ausschluss einer Mastozytose

  1. Die Insektengiftallergie kann durch folgende Untersuchungen nachgewiesen werden: Hautpricktest, Intradermaler Test, IgE Antikörpernachweis gegen Bienen-, Wespen-, Hummel- oder Hornissengift im Blut, zelluläre Bluttests: Basophilenaktivierungstest, Histaminreleasetest, CAST-ELISA.

  2. Man weiß, dass eine Insektengiftallergie samt einem kontinuierlich erhöhten Tryptasewert im Blut nach einem Insektenstich heftig und lebensbedrohlich verlaufen kann. Aus disem Grund wird der Trytpasewert im Blut gemessen. Er ist erhöht, wenn der Wert über 11,4 ng/ml liegt. Durch die Messung des Trytpasewertes wurde festgestellt, dass ein Drittel der Patienten mit schweren Stichreaktionen einen erhöhten Tryptasewert haben. Ein erhöhter Tryptasewert bedeutet noch nicht zwingend, dass eine Mastozytose besteht, stattdessen kann der Tryptasewert auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein (Siehe: Tryptase). Es gibt darüber hinaus erhöhte Trytpasewerte, die mit Mastzellaktivität zusammen hängen, und deren genaue Ursache wir noch nicht kennen.

  3. Man weiß ebenso, dass die Kombination einer Insektengiftallergie mit Mastozytose im Falle eines Stiches sehr heftig und lebensbedrohlich verlaufen kann. Darum ist es notwendig nach einer systemischen Stichreaktion eine Mastozytose auszuschliessen. Dies geschieht zunächst durch die Inspektion der Haut. Bei einer Mastozytose muss eine Hautbeteiligung allerdings nicht zwingend vorhanden sein. Eine systemische Mastozytose kann ebenso bestehen, ohne dass die Haut beteiligt ist oder auch, ohne dass ein erhöhter Tryptasewert gemessen wird. Bei Verdacht auf eine systemische Mastozytose muss diese darum anhand der Diagnose Kriterien der WHO (Siehe: Diagnose) ausgeschlossen werden.


  • Mastozytose wird bei Patienten mit einer Insektengiftallergie in einem hohen Ausmass gefunden.
  • Bisher ist die Häufigkeit von Mastozytose bei Patienten mit Insektengiftallergie allerdings noch unbekannt. (Nicht jeder Mastozytose Patient hat eine Insektengiftallergie!)
  • Wahrscheinlich haben Patienten mit Mastozytose eine IgE-vermittelte Insektengiftallergie und keine Pseudo-Allergie wie bisher angenommen.



Therapie
Patienten mit Mastozytose und/oder einem erhöhten Tryptasewert und einer Insektengiftallergie haben das Risiko besonders schwere, lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen zu entwickeln. Darum ist eine Hyposensibilisierung bei Patienten mit Mastozytose besonders wichtig.
  • Hyposensibilisierung: Ziel ist es, die Allergie umzuwandeln, damit der Allergiker nicht mehr auf das Allergen reagiert. Im Fall der Bienengiftallergie handelt es sich bei dem Allergen um Bienengift, bei der Wespengiftallergie ist es Wespengift. Das Allergen wird regelmäßig und in zunehmenden Mengen gespritzt bis eine Erhaltungsdosis erreicht und eine Symptomfreiheit erzielt ist. Mit dem Begriff "Symptomfreiheit" ist keine systemische Reaktion auf einen erneuten Stich gemeint.
  • Die Einleitung der Hyposensibilisierung sollte unter Antihistaminika-Gabe sowie unter stationären Bedingungen in einem in der Notfalltherapie erfahrenen Zentrum erfolgen. Die Einleitung erfolgt in der Regel bis zur Erhaltungsdosis von 100 μg Insektengift.
  • Bei Patienten mit Mastozytose sollte die Hyposensiblisierungsdosis, vor allem im Fall von Bienengift, auf 200 μg gesteigert werden, da eine Biene bei einem Stich bis zu 200 μg Gift abgeben und die Insektengiftallergie nur bei ausreichender Dosis erfolgreich therapiert werden kann. (Bei einem Wespenstich handelt es dagegen nur um 3 – 10 μg Gift.)
  • Die Nebenwirkungsrate der Hyposensibilisierung bei Patienten mit Mastozytose scheint erhöht zu sein. Aber nur in einzelnen Fällen sind die Nebenwirkungen so stark, dass die Hyposensibilisierung abgebrochen werden muss.
  • Grundsätzlich sollte die Hyposensibilisierung bei Mastozytose-Patienten ein Leben lang erfolgen, weil nicht bekannt ist, wie lange eine Hyposensibilisierung anhält und weil nach Abbruch der Behandlung von einzelnen Stichreaktionen mit fatalem Ausgang berichtet wurde.


Therapiekontrolle

Eine Stichprovokation zur Therapiekontrolle sollte bei Mastozytose Patienten nicht angewandt werden!



Ich bedanke mich herzlich bei Fr. Dr. Alika Ludwig, Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg Süd, für die Durchsicht dieses Artikels!



Literaturverzeichnis
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Brockow, Knut; Ring, Johannes: Mastozytose – Ursache anaphylaktoider Reaktionen. In: Allergo J 2006; 15: 143 – 52.

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