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Studien

                                                                                                             Andrea König


Die Studien die hier vorgestellt werden, sind die ersten Versuche, die systemische Mastozytose mit Hilfe von neu entwickelten Medikamenten zurückzudrängen. Die Studien werden in den USA oder auch in Deutschland durchgeführt. Sie stehen zum Teil Patienten mit einer indolenten systemischen Mastozytose (ISM) offen, zum Teil auch nur Patienten mit einer aggressiven systemischen Mastozytose (ASM) oder mit einer Mastzellleukämie (MCL) (Siehe: Klassifikation).



I. Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren?

II.a. Tabelle der Studien
II.b. Tabelle mit bereits erfolgten präklinischen Studien an Mastzell-Zell-Linien
        und/oder an Mäusen

III.a. Erläuterung zu den Studien
III.b. Erläuterungen zu den präklinischen Studien an Zell-Linien und Mäusen



I. Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren?
Da es sich bei den Tyrosinkinase-Inhibitoren um viel versprechende Medikamente handelt, und da dieser Begriff in der Auflistung öfters fallen wird, soll vorab erklärt werden, was Tyrosinkinase-Inhibitoren sind:
Auf der Mastzelloberfläche befinden sich der Wachstumsrezepto, der KIT Rezeptoren genannt wird. Dieser KIT Rezeptor kann in zwei Regionen eingeteilt werden. Die eine Region ragt aus der Mastzelle heraus, die andere führt ein Stück in das Mastzellinnere hinein (extra- und intrazelluläre Domäne). Diejenige Region, die aus der Mastzelle herausragt und sich damit auf der Mastzelloberfläche befindet, enthält die Bindungsstelle, an welchen der Wachstumsfaktor (= Stammzellfaktor SCF) binden kann.
Die andere Region von KIT, die ein Stück in das Mastzellinnere hinein führt, wird „Tyrosinkinase-Domäne“ genannt. Aus diesem Grund gehört der KIT-Rezeptor zur Familie der Tyrosinkinasen.

Sobald nun der Wachstumsfaktor (= Stammzellfaktor SCF) an die äußere Bindungsstelle des KIT Rezeptors bindet, wird die Tyrosinkinase-Domäne im Zellinneren aktiviert. Die Aufgabe der Tyrosinkinase ist es, die Vermehrung, den Stoffwechsel und den Zelltod der Mastzelle zu kontrollieren. Bei der gesunden Mastzelle funktioniert dies gut.


Bild1

Im Zellkern der Mastzellen befinden sich Chromosomen und Chromosomen enthalten Gene. KIT ist eine Gen-Sequenz und ein Protoonkogen, das für KIT kodiert. (Vergleichbar mit einem bestimmten Gen, das z.B. für unsere Augenfarbe verantwortlich ist.)

In KIT kann es zu einer Punktmutation kommen, im Fall der Mastozytose zumeist die  Mutation D816V. Kommt es  zu dieser Mutation, so wird das Protoonkogen KIT zum Onkogen und so findet gleichzeitig auch eine Veränderung im KIT-Rezeptor statt. Diese Veränderung äußert sich in einer stets aktiven Tyrosinkinase. Diese stetige Aktivität führt zu einer unkontrollierten Vermehrung und gleichzeitig zu einem verzögerten Tod der Mastzelle. Für diese Aktivitäten bedarf es demnach bei der mutierten und damit „neoplastischen“ Mastzelle keinen Wachstumsfaktor mehr, der zuerst hätte an den Wachstumsrezeptor binden müssen.

Mit Hilfe eines Tyrosinkinase-Inhibitors möchte man die stetige Aktivität der Tyrosinkinase blockieren. Und mit dieser Blockade soll die unkontrollierte Vermehrung gestoppt, sowie der Tod der veränderten Mastzelle eingeleitet werden.




II.a. Tabelle der Studien

Frankreich/
weltweit
AB1010 Tyrosinkinase Inhibitor AFIRMM/AB Science Paris Beginn: 2.Quartal 2008
Deutschland AMN107, (Nilotinib), (Tasigna®) Tyrosinkinase Inhibitor Mannheim beendet
USA BMS-354825, (Dasatinib), (Sprycel®) Tyrosinkinase Inhibitor MD
Anderson
beendet
USA Ontak®,
(Denileukin Diftitox)
Anti CD25 Monoklonale Antikörper MD Anderson beendet
USA Velcade® Proteasom Inhibitor MD Anderson Studie läuft
USA RAD001, (Everolimus), (Certican®) mTOR Inhibitor MD Anderson Studie lauft
USA/
weltweit
PKC412, (Midostaurin) Tyrosinkinase Inhibitor Stanford/weltweit  Beginn: April/Mai 2008
USA Tamoxifen Anti Östrogen Mayo Clinic Studie läuft
USA 17AAG Inhibitor des Hsp90 NIH beendet
USA Stammzell-
transplantation
---- NIH Studie läuft




II.b. Tabelle mit bereits erfolgten präklinischen Studien an Mastzell-Zell-
         Linien und/oder an Mäusen


Präklinische Studie
AP23464
Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie AP23848 Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie EXEL-0862 Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie MLN518 Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie PD180970 Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie SU5416 Tyrosinkinase Inhibitor
Präklinische Studie Mylotarg® Anti CD33 Antikörper
Präklinische Studie LMB-2 Fragment des Anti CD25 Antikörpers
Präklinische Studie A3D8 Anti CD44 Antikörper
Präklinische Studie IMD-0354 NF kappa B Inhibitor
Präklinische Studie MCL-1 ASO`s
MCL-1 spezif. siRNA
Inhibitoren gegen MCL-1




III.a. Erläuterung zu den Studien

MD Anderson Cancer Center
Tyrosinkinase-Inhibitor: BMS-354825, (Dasatinib), (Sprycel®)
Dieser Wirkstoff wurde von dem Pharmaunternehmen Britsol-Myers Squibb zusammen mit der Universität von Kalifornien entwickelt. Auch BMS-354825 gehört zu den so genannten Tyrosinkinase-Inhibitoren und wird oral verabreicht. BMS-354825 hemmt verschiedene Kinasen, wie die uns bekannte Tyrosinkinase KIT, die sich als Teil des Wachstumsrezeptors auf der Mastzelle befindet. BMS-354825 kann auch an Tyrosinkinasen mit Mutation (z.B: KIT Mutation D816V) binden und ist damit unspezifischer als Gleevac. Es hat ein breiteres Wirkungsspektrum und soll gleichzeitig 100fach potenter als Gleevac sein.
Die Studie für Patienten mit systemischer Mastozytose wurde im Nov 2005 eröffnet. Die Studie ist beendet.

Ontak®, (Denileukin Diftitox)
Ontak ist eine Chemotherapie, die als Infusion verabreicht wird und unter anderem aus Teilen des Diphterie-Toxins besteht. Es bindet an alle Zellen, die auf ihrer Oberfläche Eiweißmoleküle mit dem Namen CD25 tragen und führt innerhalb Stunden zu deren Zelltod, da es das Diphterie-Toxin in die Zellen einschleußt. Neoplastische Mastzellen haben auf ihrer Oberfläche CD25 (Siehe: Diagnose). Dasselbe gilt für einen Teil weiterer Abwehrzellen (T-Lymphozyten). Das heißt, neben den neoplastischen Mastzellen zielt Ontak auch gegen T- Lymphozyten, die wir für unsere Abwehr brauchen. Ontak wird bereits beim kutanen T- Lymphom eingesetzt. Da es an die Eiweißmoleküle CD25 bindet, handelt es sich bei Ontak um Monoklonale Antikörper gegen CD25. Nun wird es für Patienten mit systemischer Mastozytose erprobt. Die Studie lässt Patienten mit systemischer Mastozytose und mit Mastzellleukämie zu.

Velcade®, (Bortezomib)
Velcade wird beim Multiplen Myelom, einer bösartigen Knochenmarkserkranung, eingesetzt. Nun soll es bei symptomatisch fortgeschrittenen myeloproliferativen Erkrankungen ausversucht werden und damit unter anderem bei der sytemischen Mastozytose. Velcade ist ein Proteasom-Hemmer und blockiert die Wege in der Zelle, die zu unkontrolliertem Wachstum führen. Velcade greift auch die gesunden Zellen an, die sich jedoch im Gegensatz zu den neoplastischen Mastzellen wieder regenerieren können.

Kontaktinformation für diese Studien:
Srdan Verstovsek, MD, PhD
Leukemia Department
MD Anderson Cancer Center
P.O.Box 4461
Houston, Texas 77210-4461

Tel: 001-713-745-3429
e-mail: sverstov@mdanderson.org


Stanford Cancer Center
PKC412, (Proteinkinase-C-Inhibitor), (Midostaurin)
Diese Multi-Center-Studie geht von Stanford aus und hat dort im Frühjahr 2005 begonnen. Vier weitere Zentren in den USA (Dana Farber, OHSU, Universität Michigan, Washington Universität St.Louis) rücken nach. PKC412 gehört zu den Tyrosinkinase-Inhibitoren, wird oral verabreicht und ist hochwirksam bei einer akuten myeloischen Leukämie. Nun soll der Wirkstoff auch bei Patienten mit Mastozytose erprobt werden. Bei dieser Studie dürfen nur Patienten mit einer aggressiven Mastozytose oder mit einer Mastzellleukämie, sowie Patienten mit einer systemischen Mastozytose samt einer Eosinophilie teilnehmen.
Kontaktinformation: Jason Gotlib Assistant Professor of Medicine (Hematology)
Standford Cancer Center
875 Blake Wilbur Drive
Stanford, CA 94305-5821
USA
Tel: 001-650-736-1253
Fax: 001-650-724-5203
e-mail: GATSBY22@aol.com


Mayo Clinic
Tamoxifen
ist ein Medikament mit welchem Brustkrebs behandelt wird und das langfristig angewandt wird. Es ist ein Antiöstrogen und blockiert Östrogen-Rezeptoren. Da auch Mastzellen Östrogen-Rezeptoren tragen, blockiert Tamoxifen diese auch bei ihnen. Darum kann es ein interessantes Medikament für Patienten sein, deren Symptome mit zyklisch hohen Östrogenwerten einhergehen. Es besteht die Erwartung, dass Zyklus bedingte Symptome nachlassen und es besteht die Hoffnung, dass die Vermehrung der neoplastischen Mastzellen aufhört. Zu den Nebenwirkungen dieses Medikaments gehört je nach Dosierung eine Form des Gebärmutterkrebses. Folgende Studie gibt weitere Auskunft über den Einsatz von Tamoxifen bei Mastozytose: SM Duffy et al: Inhibition of human mast cell proliferation and survival by tamoxifen in association with ion channel modulation. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 2003; 112, S. 965 – 972. Die Tamoxifen-Studie soll bald beginnen und ist auf ein Jahr veranschlagt. Zugelassen sind Patienten mit systemischer Mastozytose.

Kontaktinformation:
Dr. JH Butterfield
Mayo Clinic
W 15B
200 SW 1st Street
Rochester
MN 55901
USA


National Institute of Health, Bethesda, Maryland
Inhibitor des Hsp90: 17AAG
Studie ist beendet!
Die Phase I Studie wurde an unterschiedlich soliden Tumoren in Großbritannien durchgeführt. Beim fortgeschrittenen Melanom konnte in 2 Patienten eine stabile Phase erreicht werden, die für einen der beiden Patienten 4 Jahre dauerte. Nun gibt es mehr als 20 Phasen II Studien (zum Teil in Kombination mit Chemotherapien) unter anderem bei Brustkrebs, Prostatakrebs und bei verschiedenen Leukämien sowie bei Mastozytose. Zugelassen zur Studie für Mastozytose-Patienten sind diejenigen mit der aggressiven Form und mit der Mastzellleukämie. Patienten mit einer indolenten Mastozytose müssen einen Tryptasewert von > 50ng/ml haben.

17AAG (17- allylamino, 17-demethoxygeldanamycin): Das Geldanamycin gehört zur Familie der Antibiotika und wird aus Pilzen, die Antitumoraktivität besitzen, gewonnen. Das 17AAG gilt als Inhibitor (Blocker) des Hitzeschockproteins Hsp90, das in der Mastzelle vorkommt. Es wirkt als Inhibitor, indem es sich an das Hsp90 bindet und damit dessen Funktion hemmt. Mit der Hemmung des Hitzeschockproteins Hsp90 werden die Wege innerhalb der Mastzelle, die zur Mastzellvermehrung und zu Symptomreichtum führen, destabilisiert. Möglicherweise wird das 17AAG somit die Mastzellvermehrung verringern und die Symptome lindern.

Kontaktinformation:
Maryland National Cancer Institute (NCI)
9000 Rockville Pike
Bethesda
Maryland, 20892,
USA Public Liaison Office 1-800-411-1222
prpl@mail.cc.nih.gov



III.b. Erläuterungen zu den präklinische Studien an Zell-Linien und Mäusen
Diese Wirkstoffe sind noch nicht an Menschen getestet. Sie haben ihre Wirksamkeit bisher erst an Zell-Linien und an Mastzellen von Mäusen gezeigt.

AP23464 und AP23848 von Ariad, TK Inhibitoren
EXEL-0862. TK Inhibitor
MLN518 von Millenium, TK Inhibitor
PD180970 von Pfizer, TK Inhibitor
SU5416 (Semaxinib), TK Inhibitor

Mylotarg® von Wyeth, Anti CD33 Antikörper
A3D8, Anti CD44 Antikörper
LMB-2, Fragment des Anti CD25 Aktikörpers

IMD-0354, NF kappa B Inhibitor
MCL-1 spezifisches siRNA oder MCL-1 ASO´s, Inhibitor gegen MCL-1